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Resveratrol bei Krebserkrankungen

Resveratrol bei Krebserkrankungen

Nicht wenige Weintrinker rechtfertigen ihr Laster mit den vermeintlichen oder wirklichen gesundheitsfördernden Effekten einer besonderen Substanz: Resveratrol. Die Substanz wurde zum ersten Mal 1940 von dem Japaner Taoka in der Pflanze Veratrum grandiflorum entdeckt[1]. In Verbindungen mit der Anfangssilbe Res-, abgeleitet von den Resorcinolen, zu denen Resveratrol chemisch gehört, wurde dessen Name gebildet. 1976 wurde die Substanz in Weintrauben festgestellt.

Der Glaube an die möglicherweise gesundheitsfördernde Wirkung des Weins und vor allem des Rotweins, geht auf das so genannte französische Paradoxon zurück. So scheinen Franzosen trotz des höheren Alkohol- und -Fettkonsums länger als Deutsche oder US-Amerikaner zu leben und sterben seltener an Herz-Kreislauferkrankungen [2]. Auch wenn das Paradoxon möglicherweise auf statistischen Fehlern beruht, ist der gesundheitsfördernde Effekt des Resveratrols unbestritten.

In der Pflanze hat Resveratrol, das zu den Polyphenolen gehört, die Aufgabe der Schädlings- und Pilzabwehr. Der Gehalt in der Weintraube schwankt erheblich durch Witterungseinflüsse und abhängig von der Rebsorte. So erhält die Sorte Pinot noir am meisten Resveratrol, vor allem wenn sie biologisch angebaut wird, da dort keine chemische Kontrolle von schädlichen Einflüssen stattfindet. Aufgrund des Herstellungsprozesses mit Verarbeitung von Schalen und Stängeln in der Maische erhält Rotwein durchschnittlich die siebenfache Menge des Weißweins und die 53-fache Menge des Traubensaftes. Um eine stabile Versorgung mit Resveratrol zu gewährleisten, wird es als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt.

Die Wirkung des Resveratrols ist vielfältig. So wirkt es in Zell- und Tierversuchen antioxidativ, entzündunghemmend, antikanzerogen und lebensverlängernd, es wirkt dadurch möglicherweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Arthritis und Alzheimer entgegen.

So genannte freie Radikale entstehen durch UV-Licht und Schadstoffe. Es sind chemische Verbindungen, oft Sauerstoff-Radikale, die an Molekülen binden, diese zerstören oder in ihrer Funktion beeinträchtigen. Sie werden für eine Reihe von Krankheiten und die Zellalterung verantwortlich gemacht. Antioxidantien sind in der Lage, diese freien Radikale zu eliminieren. Dies geschieht im Resveratrol-Molekül durch so genannte Hydroylgruppen, die besonders geeignet sind oxidative Stoffe einzufangen. Besonders schädlich sind Sauerstoffradikale, die im Zellinneren und in Umgebung der Zellkraftwerke, der Mitochondrien gebildet werden. Hier wirkt Resveratrol besonders effektiv [3]. Außerdem aktiviert es Enzyme, die Radikale deaktivieren, wie die Superoxiddismutase.

In Gefäßen von älter werdenden Menschen kann sich das so genannte „schlechte“ Cholesterin, das LDL-Cholesterin ablagern. Das geschieht unter Oxidation des LDL’s mit Hilfe von Kupferionen. Resveratrol verhindert einerseits die Oxidation und bindet andererseits Kupfer und kann damit auf zweifache Weise die Arteriosklerose verhindern. [4]

Es gibt kaum eine Krankheit im menschlichen Organismus, in der Entzündungen keine Rolle spielen. Deshalb nehmen entzündungshemmende Medikamente eine zentrale Rolle in der Pharmakologie ein. Ein Schlüsselenzym ist dabei die Cyclooxygenase, die zur Bildung von Entzündungsbotenstoffen führt. Leider haben Medikamente, die so genannten Cyclooxygenasehemmer, stärkere Nebenwirkungen, als erwünscht. Erfreulicherweise bindet Resveratrol auch an die Cyclooxygenase und hemmt Entzündungen, ohne entsprechende, unerwünschte Wirkungen zu haben [5]. Das zweite wichtige Schlüsselenzym bei Entzündungen ist NO-Synthase, die über die Bildung von Stickstoffmonoxid Zellwände angreift. Auch hier beeinträchtigt Resveratrol dessen Bildung und Wirkung [6].

Resveratrol in der Krebstherapie

Krebs ist unter anderem eine chronisch-entzündliche Erkrankung. Kein Wunder, dass Resveratrol aus den oben genannten Gründen auch dort eine wichtige Substanz darstellt. Entzündungen wiederum aktivieren ein Molekül, das eines der wichtigsten Substanzen im Krebsgeschehen darstellt: Der so genannte Transkriptionsfaktor NF-κB (sprich: En-Ef-Kappa-B). Transkriptionsfaktoren helfen der Zelle, bestimmte DNA-Abschnitte abzulesen und entsprechende Proteine zu erzeugen. NF-κB ist an allen wichtigen Prozessen der Tumorentwicklung beteiligt, von der Entstehung, Entwicklung, der Bildung von Blutgefäßen, der Hemmung des Immunsystems bis hin zur Metastasierung. Erfreulicherweise hemmt Resveratrol auch diesen schwarzen Ritter der Krebserkrankung [7], wie ihn der kanadische Arzt Servan-Schreiber in seinem Anti-Krebsbuch bezeichnet hat. Daneben interagiert es mit diversen Stoffwechselwegen oder Botenstoffen, wie mTor, Cytochrom p450, Tumornekrosefaktor α, Interleukin 17 und anderen, allesamt wichtig für die Krebsentwicklung [8].

Ein uralter Traum der Menschheit, ist es wenn schon nicht unendlich, so zumindest länger zu leben. Kann hier Resveratrol einen Einfluss haben? Diverse Forschungen konnten zeigen, dass Fasten oder kalorienarme Ernährung die Lebenszeit verlängern können [9]. Das geschieht durch Aktivierung von Reparaturproteine, der so genannten Sirtuine, die Schäden in der DNA reparieren und deshalb deren Überlebenszeit verlängern. In Zellversuchen und Tiermodell konnte gezeigt werden, dass Resveratrol ebenfalls zu vermehrten Bildung dieser Sirtuine führen könnte [10]. Möglicherweise verlängert Resveratrol das Leben, ohne hungern zu müssen. Doch was nutzt ein langes Leben, ohne einen funktionierenden Geist? Auch hier kommt wieder Resveratrol ins Spiel: Es scheint dem Gehirn zu helfen das so genannte β-Amyloid, das sich bei der Alzheimer-Erkrankung anhäuft, abzubauen [11].

Zusätzlich ist es aber auch möglich, die mögliche Wirksamkeit an den jeweiligen Tumorzellen der Patienten auszutesten.

Wie Curcumin ist nun Resveratrol eine Substanz, die sich in Wasser nicht löst. Solche Substanzen gehen prinzipiell schlechter durch den Darm ins Blut und es ist schwierig allein durch die orale Gabe gute Wirkspiegel im Organismus zu erreichen. Gerade Tumorerkrankungen sind aber hohe Wirkspiegel entscheidend. Erfreulicherweise gibt es seit einigen Jahren Resveratrol auch als Infusionslösung.

Fazit

Resveratrol ist eine biologische Substanz, die bei einer Vielzahl von Erkrankungen, wie Krebs, Arthritis, Herz-Kreislauferkrankungen, Alzheimer wirksam zu sein scheint und zusätzlich das Leben verlängern könnte.


Quellen

[1]Michio Takaoka: The Phenolic Substances of White Hellebore (Veratrum Grandiflorum Loes. Fill). V. In: Nippon Kagaku Kaishi. 61, Nr. 10, 1940, S. 1067–1069. doi:10.1246/nikkashi1921.61.1067.

[2] OECD HEALTH DATA Nov. 2010

[3] Leonard, S., et al., Resveratrol scavenges reactive oxygen species and effects radical-induced cellular responses. Biochem. Biophys. Res. Commun. 309 (2003) 1017-1026.

[4] Bird JK, Raederstorff D, Weber P, Steinert RE. Cardiovascular and Antiobesity Effects of Resveratrol Mediated through the Gut Microbiota. Adv Nutr. 2017 Nov 15;8(6):839-849. doi: 10.3945/an.117.016568. PMID: 29141969; PMCID: PMC5682996.

[5] Diaz-Gerevini GT, Repossi G, Dain A, Tarres MC, Das UN, Eynard AR. Beneficial action of resveratrol: How and why? Nutrition. 2016 Feb;32(2):174-8. doi: 10.1016/j.nut.2015.08.017. Epub 2015 Sep 25. PMID: 26706021.

[6] Wang Z, Yan Y, Wang Y, Tong F. The interaction between CSE/H2S and the iNOS/NO-mediated resveratrol/poly(ethylene glycol)-poly(phenylalanine) complex alleviates intestinal ischemia/reperfusion injuries in diabetic rats. Biomed Pharmacother. 2019 Apr;112:108736. doi: 10.1016/j.biopha.2019.108736. Epub 2019 Feb 28. PMID: 30970526.

[7] Diaz-Gerevini GT, Repossi G, Dain A, Tarres MC, Das UN, Eynard AR. Beneficial action of resveratrol: How and why? Nutrition. 2016 Feb;32(2):174-8. doi: 10.1016/j.nut.2015.08.017. Epub 2015 Sep 25. PMID: 26706021.

[8] Diaz-Gerevini GT, Repossi G, Dain A, Tarres MC, Das UN, Eynard AR. Beneficial action of resveratrol: How and why? Nutrition. 2016 Feb;32(2):174-8. doi: 10.1016/j.nut.2015.08.017. Epub 2015 Sep 25. PMID: 26706021.

[9] Wei M, Brandhorst S, Shelehchi M, Mirzaei H, Cheng CW, Budniak J, Groshen S, Mack WJ, Guen E, Di Biase S, Cohen P, Morgan TE, Dorff T, Hong K, Michalsen A, Laviano A, Longo VD. Fasting-mimicking diet and markers/risk factors for aging, diabetes, cancer, and cardiovascular disease. Sci Transl Med. 2017 Feb 15;9(377):eaai8700. doi: 10.1126/scitranslmed.aai8700. PMID: 28202779; PMCID: PMC6816332.

[10] Sheng W, Lu Y, Mei F, Wang N, Liu ZZ, Han YY, Wang HT, Zou S, Xu H, Zhang X. Effect of Resveratrol on Sirtuins, OPA1, and Fis1 Expression in Adult Zebrafish Retina. Invest Ophthalmol Vis Sci. 2018 Sep 4;59(11):4542-4551. doi: 10.1167/iovs.18-24539. PMID: 30208422.

[11] Sawda C, Moussa C, Turner RS. Resveratrol for Alzheimer’s disease. Ann N Y Acad Sci. 2017 Sep;1403(1):142-149. doi: 10.1111/nyas.13431. Epub 2017 Aug 16. PMID: 28815614; PMCID: PMC5664214.

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